Curating

An Exhibition of a Study on Knowledge

Inmitten kontinuierlicher Veränderung von Strukturen der künstlerischen Produktion sowie der Positionierung des Wissens bringt die Ausstellung sieben Positionen zusammen, die traditionelle Zugänge kritisch untersuchen. Das Projekt zielt auf eine diskursive Erweiterung des klassischen Formats Ausstellung ab, geht also über ein reines Zeigen von konzeptuellen Objekten hinaus. Der Ausstellungsraum öffnet sich als Arbeitsraum, um eine Plattform für Wissenstransfers anzubieten – somit funktioniert das Wort »Study« im Titel sowohl im Sinne einer Untersuchung als auch auf räumlicher Ebene. Unterstrichen wird der performative Charakter von Wissen durch eigens entwickelte Performances sowie Veranstaltungen innerhalb des Ausstellungsformates.

Der weit gefasste Begriff »Wissen« mit seinen möglichen Implikationen wie Hierarchien, Produktion und Vermittlung bestätigt die Dringlichkeit, über dieses Konzept nachzudenken. Die Wissensgesellschaft, bestimmt von lebenslangem Lernen, dient der aktuellen kapitalistischen Ordnung als Grundlage. Kognitiver Kapitalismus rückt eine Vielfalt an Wissensökonomien in den Vordergrund: Wissen ist nicht länger ein Werkzeug, sondern wird zum Produkt. Entstehende Ökonomien haben eine starke interdisziplinäre Ausrichtung, die eine große Vielfalt an Spezialisten bedingen und produzieren: so z. B. Ökonom*innen, Informatiker*innen, Ingenieur*innen, Mathematiker*innen, Geograf*innen, Chemiker*innen, Physiker*innen, Psycholog*innen oder Soziolog*innen, um nur einige zu nennen. Für den Fluss der generierten Wissensströme sind lebenslanges Lernen, vorausschauende Ausbildung und Kommunikation fundamental. Gegenwärtig sind wir Zeugen, dass Ausbildung die Gesellschaft segmentiert; Schulen und Universitäten sind dabei Austragungsort. Die prekären Rahmenbedingungen öffentlicher Bildungseinrichtungen führen zu Privatisierung von Wissen und begrenztem Zugang zu Bildung, folglich werden Methoden des Selbstlernens bedeutender.

Die Ausstellung befragt auch die intellektuelle Verarbeitung von Wahrnehmung der Lebensrealität, die in einem nächsten Schritt mittels Technologien wiederum beides entwirft: Wissen und Lebensrealität. Aber wo suchen wir nach einer Definition von Wissen? Üblicherweise wird es als vernetzte Information verstanden, ein Konglomerat aus Fakten, Informationen, Beschreibungen oder Fähigkeiten, angereichert durch Ausbildung oder Erfahrung. In der empirischen Forschung ist Wissen gleichermaßen ein Thema von Natur- und Geisteswissenschaften: Psychologie untersucht, wie Wissen aufbewahrt und vernetzt ist; die Neurowissenschaften erforschen die Struktur des Gehirns, die Verarbeitung der Sinne und neurale Vernetzungen; Pädagogik und Sozialwissenschaften analysieren Wissenstransfer, die Aufnahme, Vermittlung und Verfügbarkeit. Die Philosophie hat neben unzähligen Schriften den Zweig der Epistemologie hervorgebracht, die fragt, wie sich Wissen formiert und welche kognitiven Prozesse notwendig sind, um zur Erkenntnis zu gelangen. Im Kunstkontext wird aktuell der künstlerische Praxisbegriff mit dem Hauptgewicht auf »künstlerische Forschung« – eine Strategie, die es wohl schon seit langem gibt – neu verhandelt. Die Ausstellung bringt sieben künstlerische Positionen zusammen, deren Arbeit sich mit dem Konzept des Wissens an sich – innerhalb der gegenwärtigen Ökonomien – auseinandersetzt, die Forschen und Denken in den Vordergrund stellen. Die künstlerischen Praxen erweitern den Geltungsbereich des kritischen Denkens mit wissenschaftlichen, statistischen, spielerischen, empirischen, diskursiven und künstlerischen Zugriffen auf Perspektiven des Wissens.

 

 

This exhibition brings together seven artistic positions concerned with conceptualizing knowledge within the framework of current streams of thinking and researching. As a study, the exhibition uses a rather performative approach towards the domain, the notion, and the production of knowledge as a non-static entity; hence, besides putting works on display, the exhibition activates spaces of encounter through a series of events and specially developed performances.

The preoccupation of thinking about knowledge is inherently marked by the current dichotomies of production in the world around us; that is, in such a way that the term information society is being replaced by ‘knowledge society’, where the notion of production of knowledge receives appraisal. The knowledge society, designed for lifelong learning, serves as the foundation of the present capitalist order of cognitive capitalism, which foregrounds multiplicity evoked through cognitive work in knowledge economies. Here, knowledge is no longer a tool but becomes an actual ‘product.’ Such economies, which function largely interdisciplinarily, involve a broad range of specialists: economists, computer scientists, engineers, mathematicians, geographers, chemists, and physicists, as well as cognitivists, psychologists, or sociologists. The knowledge flows generate lifelong learning, prescient education, and communication, which are markedly fundamental. We witness how education stratifies societies and plays an important role in class struggles at schools and universities. Self-learning methods are becoming increasingly significant as precarious developments in public education and fields of knowledge-production have led to the privatization of knowledge as well as restricted access to education.

Playing on the double meaning of the word ‘study,’ the exhibition questions the intellectual processing of reality perception, from which, in the next step, technologies depart and, in turn, create both knowledge and actual worlds. Yet, where do we turn when searching for a definition of knowledge? Knowledge is commonly understood and referred to as a familiarity with something. That includes facts, information, descriptions, or skills acquired through experience or education, or, in other words, knowledge is understood as cross-linked information. In empirical research, knowledge is equally a theme of natural and social sciences: psychology investigates how knowledge is stored and interconnected; neurosciences explore the brain’s structure, its sensory and neural networks; pedagogy and social sciences scrutinize ways of how knowledge is gained, mediated, and made available. Within philosophy, there is no consensus on a conclusive definition of what knowledge means. However, epistemology addresses how knowledge is generated, which cognitive processes are possible, or to what extent a given subject or entity can and may be known.